Frohe Weihnachten, verzaubernde Rauhnächte!

Aus Rauhnächte. Über Wünsche, Mythen und Bräuche - Märchen für Erwachsene.
Es ist das Märchen für die letzte Rauhnacht, den 5. Jänner - die Nacht der Percht.
Es ist dein Leben, dein Erfolg. Damit es wunschgemäß gelingt.
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Aus Rauhnächte. Über Wünsche, Mythen und Bräuche - Märchen für Erwachsene.
Es ist das Märchen für die letzte Rauhnacht, den 5. Jänner - die Nacht der Percht.

Es war ein Feuer. Es loderte in den Herzen und im Herd, brannte wärmend und knisternd, es erhellte die Stube und sorgte für das Gelingen der Speisen. Des Nachts, wenn die Menschen schliefen, flackerte das Feuer munter weiter. Und in den Raunächten, der Zeit in der die Tiere sprechen, konnte auch das Feuer sich mit den Dingen und Wesen seiner Umgebung unterhalten.
In einer dieser Nächte, da manch Wunderbares und Sonderbares geschieht, war das Feuer recht betrübt, denn die Familie, deren karge Mahlzeiten es bereiten half, war bitterarm. Alle mussten mithelfen, selbst die Kinder trugen mühevoll Holz, das seine Flamme am Leben erhielt, aus dem Wald herbei. Jedes noch so kleine dürre Zweiglein wurde verbrannt, und doch blieb es kalt in der Stube, denn es fehlten die großen Stücke, die wärmen und lange brennen. So fühlte das Feuer die Armut der Leute, die dennoch abends fröhlich beisammensaßen, Geschichten erzählten und Lieder sangen, mitunter traurige oder schaurige. Das Feuer jedenfalls bemühte sich aus Leibeskräften, das Wärmstmögliche aus dem dünnen Holz heraus zu brennen, damit die Menschen nicht allzu sehr frieren mussten.
An jenem Abend war es draußen bitter kalt, ein wilder Sturm fegte ums Haus, und die Menschen, die es bewohnten, waren zu Bett gegangen, um sich aneinander und unter der Decke zu wärmen.
Da begann das Feuer zu singen. Es sang von fernem Reichtum, von Göttinnen und Heldentaten, es sang vom unermesslichen Reichtum des kleinen Volkes, von den Schätzen der Erde und des Waldes. All diese Geschichten hatte es von den Ästen gehört, denen hatte es das Wasser erzählt, das die Wurzeln aus der Erde sogen und das durch den Stamm, an dem sie gewachsen waren, bis in die Blätter emporstieg, dort wieder ausgeschwitzt und der Luft überlassen wurde. So erfuhr das Feuer von der Welt, denn das Wasser reiste viel herum und kannte die Tiefen der Erde ebenso wie die Weite der Ozeane und die Höhe des Himmels. Das Feuer war nicht gerade befreundet mit dem Wasser, aber über dessen Vermittler, die Äste, die sich hingaben, um seine Wärme am Leben zu erhalten, war es doch mit diesem Element verbunden. Das Feuer lebte nicht ohne das Wasser, wiewohl es durch das Wasser auch ein Ende finden konnte. Deshalb blieb es ganz gesittet im Ofen und verzichtete darauf, selbst die Welt zu erforschen, denn dann wäre seine Wissbegierde wohl rasch ertränkt worden. Die Geschichten aber liebte es, von den Blumen und Vögeln des Waldes, von der Sonne und vom Regen und Sturm, der so manchen Ast heruntergebrochen hatte, der seine Bestimmung im Ofen erfüllte.
Nun war es ja eine besondere Nacht und so lockte der Feuergesang die Feuerwächter an, die sonst unter der Erde blieben und die Öfen der Bergwerke des kleinen Volkes bewachten. Mit ihnen kamen noch andere feenhafte Gestalten und Gnome, sie bevölkerten die Stube, kletterten auf Stühle, guckten in Töpfe und kosteten von Speisen. Sie verzogen die Mäuler, denn die Kost der Hausleute war einfach und mundete denen, die das Essen von reich gedeckten Tischen gewohnt waren, überhaupt nicht. Das Feuer hörte das Gezeter und schickte sich an, den Erd- und Waldwesen zu schildern, wie es den Menschen auf der Erde gehe, die viel Arbeit für kargen Lohn leisteten und froh waren, wenn sie das Nötigste zum Leben hatten, gleichwohl aber fröhlich und gesellig blieben.
Als die Zwerge und Elfen, und was da sonst noch in der Stube war, diese Erzählung gehört hatten, war ihr Helfersinn – den das Kleine Volk für ausgewählte Menschen mitunter entwickelt – erwacht und in dieser Laune beschlossen sie, die Familie mit ihren Gaben zu beschenken.
Sie stellten ein Körbchen auf den Tisch, darein legten sie Edelsteine und kostbare Erze, auf den Holzstoß legten sie ein Zauberscheit, das dafür sorgte, dass für jedes ins Feuer geworfene ein neues wieder dort lag. Für die Kinder gab es Süßigkeiten. Die Feen brachten eine Rolle feinsten Tuches herbei, das wärmte besser als jede Wolldecke. Einer der Vogelartigen brachte ein Instrument, das konnte jede Melodie, die man sich wünschte, selbstständig spielen und sollte die Herzen der Leute erfreuen. Und wer wollte, konnte am Markttag zuhören und einen Pfennig dem Spielenden als Dank überlassen.
Glücklich, dass sein Gesang einen so reichen Gabentisch herbeigesungen hatte, beobachtete das Feuer das Treiben, und vor Freude brannte es lichterloh.
Als alles gerichtet und das bunte Völkchen wieder verschwunden war, ging auch schon die Sonne auf und die Kinder stürzten hungrig in die Stube, der Vater schickte sich an, das Feuer wieder aufflackern zu lassen, und die Mutter begann, den Brei zu kochen.
Doch wie staunte der Mann, als er das Scheit nahm und gleich wieder eines am selben Platz lag und das auch so weiter ging. Die Kinder hatten die Süßigkeiten entdeckt – noch nie hatten sie solche gekostet – die älteste Tochter umwickelte sich gleichzeitig erstaunt und überglücklich mit dem feinen Tuch, die Katze leckte die süßeste Milch aus ihrer Schüssel und die Frau konnte gar nicht fassen, wie köstlich ihr Brei heute Morgen schmeckte. Als sie die gewohnte Speise in die Schüsseln gefüllt und jeder davon gekostet hatte, waren sie ganz verwundert, denn ein jeder hatte seinen Lieblingsgeschmack im Mund. Jetzt erst sahen sie den Korb mit den Kostbarkeiten, und das Musikinstrument freute sich so mit ihnen, dass es ganz von selbst zu spielen begann. Da begriffen die Leute, dass ihnen in der Nacht der Holla und ihrer wilden Jagd etwas ganz Wunderbares zu Teil geworden war und sie lieber nicht zu viel nach dem Warum fragen, sondern sich freuen sollten, dass ihr Beisammensein nun so viel leichter werden konnte.
Nur der Kleinste, der die Geheimnisse der Anderswelt noch nicht vergessen hatte, hörte das Knistern des Feuers, das ihm erzählte, was in der Nacht geschehen war. Die Großen hatten diese Sprache vergessen, so erfuhr es niemand so richtig. Aber ihre Herzen wussten doch davon und bewahrten es in ihrem Innersten.